Opferschutz an Schulen

Ausgangslage

Körperliche Auseinandersetzungen, Gewalthandlungen, Ausgrenzungsprozesse und Mobbing unter Schülerinnen und Schülern werden an Hamburger Schulen seit vielen Jahren von allen Beteiligten beobachtet. Bei dem Thema Gewalt an Schulen denken wir zunächst an die Täter bzw. Tatverdächtigen! Wo bleiben die Opfer, wie unterstützen und helfen wir ihnen? Sind unsere Maßnahmen bzgl. des Opferschutzes angemessen und ausreichend? Diese Einstiegsfragen führten uns einerseits zur Analyse der schulischen Gewaltmeldungen, andererseits zu Fallanalysen einzelner Kinder/Jugendlicher, deren physische oder psychische Verletzungen dramatisch waren.

Im Ergebnis entwickelten wir das Qualifizierungskonzept „Begleitung von Opfern in Schulen“ (BeOS), das im Februar 2013 mit 24 Teilnehmer/-innen startete.

Die Nachhaltigkeit dieser Qualifizierung in Schulen soll darüber erreicht werden, dass die qualifizierten Fachkräfte mit der Schulleitung, im Kollegium, mit Schüler/-innen und Eltern über standortspezifische Verbesserungen, Projekte und Maßnahmen nachdenken und angemessene Angebote in die Tat umsetzen.

Qualifizierung

Für die Umsetzung der Maßnahme werden Fachkräfte der Beratungsdienste Hamburger Stadtteilschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen, Fachkräfte der regionalen Beratungs- und Bildungszentren (ReBBZ) Abteilung Beratung sowie Fachkräfte des Beratungs- und Unterstützungszentrums Berufliche Schulen (BZBS) ausgewählt. Die Fortbildungsmodule und Supervisionsangebote basieren auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Traumatologie, der Notfallpsychologie, der Notfallseelsorge, der Kriminologie und der systemischen Supervision. Die professionelle Arbeit der Krisenintervention wurde ebenso berücksichtigt wie die therapeutischen Aspekte der Opferbegleitung. Die Fortbildung vermittelt Kompetenzen im Bereich der Gesprächsführung und im Umgang mit schulischen Opfern. Dazu gehört das Erfassen frühzeitiger Anzeichen und Signale einer Traumatisierung, das Vermitteln betroffener junger Menschen an entsprechende Fachstellen und Institutionen, das Anbieten konstruktiver Wege der Konfliktbewältigung, um den Opfern so eine möglichst unbeschwerte Rückkehr in den Schulalltag zu ermöglichen.

Nach der Qualifizierung

Fachkräfte berichten, dass sich die Fokussierung auf das Opfer durch die Qualifizierung deutlich erhöht hat.

Auch die Eltern des Opfers nehmen das Gesprächsangebot dankbar an, welches leider noch nicht regelhaft in den Systemen stattfindet.

Jeder BeOS-Fachkraft wird empfohlen an den regelhaft stattfindenden kollegialen Supervisionen teilzunehmen. Wir bieten regelhaft Zusatzmodule an, die das erworbene Fachwissen vertiefen. Außerdem werden wir uns mit den zuständigen Leitungen und den ausgebildeten Fachkräften in Verbindung setzen, um bei der Implementierung unterstützend zu beraten.

Aufgaben der BeOS-Fachkräfte

Die BeOS-Fachkräfte können die Schulleitung/Leitungen beraten und unterstützen. Sie informieren die schulischen Leitungskräfte über die Unterstützungsmöglichkeiten im Einzelfall sowie für das System Schule (Einzelhilfe, Fortbildung, Prävention, Netzwerkarbeit).

Die schulischen Fachkräfte unterstützen in ihrer Rolle die Kollegen/-innen bei speziellen Fragen zum Opferschutz und in deren Fallverständnis.

Die BeOS-Fachkräfte der ReBBZ unterstützen ebenso ihre Kollegen/-innen innerhalb der ReBBZ, unterstützen ggf. die Fachkräfte der Schulen in ihrer regionalen Zuständigkeit oder halten schulische Informationsveranstaltungen ab.

Sie erarbeiten ggf. eine Übersicht über das zur Verfügung stehende Beratungssystem der Region. Sie nehmen Kontakt zu den fachlichen Ansprechpersonen auf und vereinbaren Austauschtreffen. Die schulischen BeOS-Fachkräfte erhalten diese Übersicht für die Erledigung ihrer beratenden Aufgaben.

Nach Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme treffen sich die Fachkräfte möglichst regelmäßig zu Informations- und Austauschtreffen (drei- bis sechsmal im Jahr), um sich bei allen Aufgaben und Fragestellungen gegenseitig beraten und unterstützen zu können. Die Informations- und Austauschtreffen werden gemeinsam über die Beratungsstelle Gewaltprävention und die ReBBZ-Aufsicht organisiert. Gemeinsam werden ergänzende Fortbildungsbedarfe ermittelt und im Rahmen der Veranstaltungen kontinuierlich umgesetzt.

Interessierte können sich mit ihren Fragen an die
Ansprechpartnerinnen der Qualifizierung wenden:

Caroline Becker und Sabine Schmiegelow
Beratungsstelle Gewaltprävention
Tel.: 040 428 63- 7002 bzw. -7013
caroline.becker@bsb.hamburg.de sabine.schmiegelow@bsb.hamburg.de